Aus der Gemeinderatssitzung vom 12.02.2004

Kommt eine Erweiterung des Abwasserverbandes?

Der mögliche Anschluss der Gemeinden Grettstadt und Kolitzheim an den bestehenden Abwasserverband „Unterer Unkenbach" prägte als Hauptthema die letzte Gemeinderatssitzung. Eine Entscheidung, die dem Gremium nicht zusteht, solle jedoch nicht gefällt werden. Zur fachkundigen Erörterung lud sich Bürgermeister Edgar Engelbrecht seinen, gleichzeitig als Verbandsvorsitzenden fungierenden, Kollegen Hans Fischer aus Schwebheim ein.

Die vom Verband betriebene Anlage, so Hans Fischer, laufe bei einer Auslastung von 95 % und müsse infolge des Wachstums beider Mitgliedsgemeinden in den nächsten 5 bis 6 Jahren eine Kapazitätserweiterung erfahren. Dabei ist an eine Aufstockung der Einwohnergleichwerte (EGW), die bei 9.000 liegt, um ca. weitere 5.000 gedacht. Die Verpflichtung der Nachbargemeinden Grettstadt und Kolitzheim bis Ende 2005 ihre Abwasserbeseitigung dem gesetzlichen Standart entsprechend auszubauen, habe zur Überlegung des Anschlusses an den Verband geführt. Favorisiert wird diese Lösung auch von dem Wasserwirtschaftsamt Schweinfurt, allerdings ohne hier von staatlicher Seite mit entsprechenden Zuwendungen einzusteigen. Die sogenannte „große" Lösung würde nach Aussage des Verbandsvorsitzenden eine Erweiterung von 10.000 EGW erfordern. Kostenmäßig wurde durch eine Studie die „kleine" Lösung mit ca. 2,25 Mill. €, die „große" Lösung mit 3,5 Mill. € ermittelt. Die bedeutet, dass die derzeitigen Verbandsgemeinden eine Einsparung von 1,25 Mill. € erzielen könnten, sich aber dem Zeitdruck des Neubaus bis 31.12.2005 unterwerfen müssten. Damit einher ginge auch eine Belastung der Bürger mit Ergänzungsbeiträgen innerhalb der nächsten zwei Jahren, was bei der „kleinen" Lösung erst in ca. 6 Jahren erforderlich wäre. Um aussage- und vergleichbares Zahlenmaterial zu erhalten, sei, so Fischer, eine Vorplanung notwendig. Deren Kosten bezifferte er auf 65.000 €, wobei daran die die Aufnahme anstrebenden Gemeinden zu beteiligen wären.

Theo Knaup wies auf die Belastung der Bürger Röthleins und Heidenfelds durch den laufenden Bau der Regenüberlaufbecken hin. Er könne eine weitere kurzfristige Belastung der Bürger durch die Erweiterung der Kläranlage nicht vertreten.

Für die Untersuchung der wirtschaftlichsten Lösung plädierte Bruno Döpfert. Er äußerte jedoch Zweifel hinsichtlich der Verwertung der Vorplanung bei Realisierung der „kleinen" Lösung in 6 Jahren. Dabei könnte sich diese dann als „Fehlinvestition" erweisen.

Nach der rechtlichen Konstitution des Verbandes fragte Theo Knaup. Die den Anschluss betreibenden Gemeinden müssten dann in das Verbandsgremium aufgenommen und dieses damit erweitert werden.

Diese Fragen, so Hans Fischer, seien noch nicht erörtert worden. Er könne sich auch den Anschluss auf der Basis einer „Zweckvereinbarung" vorstellen.

Auf den seit 1968 hervorragenden funktionierenden Verband verwies Bürgermeister Edgar Engelbrecht. Von diesem seien die „Hausaufgaben" gemacht und mit hohen Investitionen die Verbandskläranlage auf den derzeitigen Stand der Technik gebracht worden. Es klappe alles, sodass er keine Notwendigkeit in einer Erweiterung sehe. Wenn das Wasserwirtschaftsamt einen größeren Verband befürworte, dann nur weil dadurch auch die Überwachungsfunktionen der Behörde vereinfacht würden. Ferner sollte an der Verbandsstruktur – Verbandsgremium bestehenden aus Gemeinderatsmitgliedern von Schwebheim und Röthlein – keine Änderung vorgenommen werden.

Abschließend fasste Hans Fischer zusammen, dass eine Entscheidung für die Aufnahme der Gemeinden Grettstadt und Kolitzheim langfristig für die nächsten 50 Jahre ausgelegt und dies in den Betriebskosten eingerechnet werden muss.

Was gab’s sonst noch?

Die Gelegenheit, Belange des Abwasserverbandes dem Röthleiner Gremium nahe zu bringen und zu verdeutlichen nutze der Vorsitzende Hans Fischer, indem er die Klärschlammverwertung, deren landwirtschaftliche Nutzung durch den Freistaat Bayer unterbunden werden soll, darlegte. Die derzeitige Verwertung stärke nach seiner Aussage die heimische Landwirtschaft und sei die kostengünstigste Lösung für den Verband. Die anderen Verwertungsarten, angefangen von der Verbrennung über die Vererdung und Deponierung des Klärschlamms, seien wesentliche kostenintensiver und würden eine Erhöhung der Kanalbenutzungsgebühren bringen.

Nachdem das vom Gemeinderat als 3. Sirenenstandort vorgeschlagene Gemeindegebäude Friedhofstraße 19 in Röthlein bei der Standortuntersuchung als positiv bewertet wurde, entschied das Gremium nun endgültig dort die Sirene installieren zu lassen.

(Bericht: Siegbert Turbeis)

 

 

 

 

 


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